Bundesamt für Naturschutz

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Bestand und Gefährdung

Bestandstrends und Gefährdung der Insekten

Die Gesamtzahl der Insekten und auch die Vielfalt der Insektenarten haben in den vergangenen Jahrzehnten abgenommen. Das belegen regionale und internationale Untersuchungen sowie die 2011 und 2016 vom BfN veröffentlichten Roten Listen zu den wirbellosen Tieren.

Entwicklung auf Bundesebene

Seit rund 40 Jahren bringt das Bundesamt für Naturschutz die bundesweiten Roten Listen der gefährdeten Tier-, Pflanzen- und Pilzarten in Deutschland heraus. Der jeweilige Rote-Liste-Status wird in Zusammenarbeit mit vielen ausgewiesenen Expertinnen und Experten anhand der aktuellen Bestandssituation sowie der kurz- und langfristigen Bestandstrends der Arten ermittelt.

In den Bänden 3 und 4 der Roten Listen sind eine Vielzahl der in Deutschland nachgewiesenen Insektenarten erfasst. Anhand von bundesweit repräsentativen Daten werden darin für jede Art unter anderem kurz- und langfristige Bestandstrends dargestellt. Der langfristige Trend beschreibt - je nach Informations- und Datenlage - die Entwicklung der Bestände der Arten über die zurückliegenden 50 bis 150 Jahre. Der kurzfristige Trend bildet die Entwicklung der vergangenen 10 bis 25 Jahre ab.

Für alle bislang in den Roten Listen erfassten Insekten ist der langfristige Trend bei 45% der Arten rückläufig; bei den Köcherfliegen liegt er sogar bei 96% (siehe Abb.). Auch die heimischen Zikaden weisen mit 52% überdurchschnittlich viele Arten mit langfristig rückläufigem Trend auf. Ebenso sind die Bestände der Laufkäfer bei 45% der Arten zurückgegangen. Es sind demnach nicht nur Insekten betroffen, die sich vor allem fliegend fortbewegen, sondern auch solche, die überwiegend am Boden leben. Eine Zunahme konnte dagegen nur bei insgesamt 2% der bislang untersuchten Insektenarten festgestellt werden.

Langfristiger Bestandstrend der Insektenarten in Deutschland. Ohne Neobiota, nicht bewertete und ausgestorbene Taxa. Die Rote Liste der Wespen wurde nicht in die Bewertung einbezogen. Die Klassen sehr starke, starke und mäßige Rückgänge sowie Ausmaß der Rückgänge unbekannt wurden zu Rückgang zusammengefasst. (Quelle: Binot-Hafke et al.2011, Gruttke et al. 2016, Ries et al. in prep.)
Langfristiger Bestandstrend der Insektenarten in Deutschland

Wichtige Daten der Roten Listen sind als ZIP-Datei unter (1. Link im Haupttext, Excel-Datei namens "Rote Liste Deutschland") verfügbar. Eine kurze Zusammenfassung und Erläuterung zu Band 3 der Roten Listen - Wirbellose Tiere (Teil 1) steht unter: .

Ergebnisse regionaler Studien in Deutschland

Regionale Untersuchungen zeigen vergleichbare Entwicklungen für unterschiedliche Insektenarten. So belegt die aktuelle Checkliste der Schmetterlinge Bayerns, dass es dort zu einem Rückgang der Artenzahlen um 13% und bei den Populationsgrößen zu noch größeren Einbrüchen gekommen ist, von denen auch „Allerweltsarten“ betroffen sind (Haslberger & Segerer 2016).

Ähnlich sehen Ergebnisse von Untersuchungen in der Region um Regensburg zu Tagfaltern und Widderchen auf Kalkmagerrasen aus, bei denen für den Zeitraum von 1840 bis 2013 ein Artenrückgang von fast 40% stattfand und dabei sowohl der Anteil der Habitat-Spezialisten als auch der gefährdeten Arten signifikant abnahm. Im Gegensatz dazu nahm der Anteil an Arten, die als Generalisten bezeichnet werden können, deutlich zu.

Einen besonders dramatischen Bestandsrückgang belegt eine noch unveröffentlichte Studie, der zufolge der Bestand an Schwebfliegen im bergischen Wahnbachtal um 84% sank und 24% der Arten zuletzt gar nicht mehr nachgewiesen werden konnten.

Internationale Studien


Der Negativ-Trend konnte auch in internationalen Untersuchungen für zahlreiche Insektenarten nachgewiesen werden, etwa durch die Ergebnisse der Langzeitstudie zur Veränderung der Biomasse von Fluginsekten in Schutzgebieten, die ein Autorenteam 2017 im Fachmagazin PLoSONE (Hallmann et al. 2017) veröffentlichte. Die Forscher hatten Daten des Entomologischen Vereins Krefeld ausgewertet, die zwischen 1989 und 2014 an 63 verschiedenen Standorten gesammelt wurden. Sie konnten zeigen, dass die Gesamtbiomasse der Fluginsekten in weiten Teilen Deutschlands bis 2014 um 76% zurückgegangen ist.

Die European Environmental Agency (EEA) beobachtet mit dem „European Grassland Butterfly Indicator“ die Populationsentwicklung von 10 spezialisierten und 7 häufigen Schmetterlingsarten in europäischen Ländern. Im Zeitraum von 1990 bis 2015 konnte ein Rückgang der Bestände um ca. 32 % festgestellt werden. Deutliche Rückgänge der Insektenpopulationen wurden auch in verschiedenen anderen europäischen Ländern beobachtet, etwa in den Niederlanden und Belgien, in Ungarn, Großbritannien und Dänemark.

Der von Dirzo et al. 2014 in einem Review über den Verlust der Fauna im Anthropozän erstellte „Globale Wirbellosen Index“ im Fachmagazin Science zeigt in kompilierter Form die Entwicklung der Häufigkeit von Wirbellosen weltweit (Dirzo et al 2014). Für über 450 Wirbellosenarten weltweit ist in der Grafik rechts (C) ein Rückgang der Häufigkeit um 45% in den letzten 40 Jahren zu verzeichnen, lediglich bei den Schmetterlingen (Lepidoptera) ist ein Rückgang von etwa 30% zu verzeichnen.

(Quelle: Dirzo et al, 2014)
(Quelle: Dirzo et al, 2014)

In der Grafik links (A) wird für 1026 Arten aus vier Insektengruppen aus Großbritannien das Ausmaß der Bestandsrückgänge über 40 Jahre aufgezeigt: Die Säulenhöhe zeigt die Gesamtprozentzahl bestandsrückläufiger Arten (zwischen 30% und 60%). Die Farbtiefe zeigt, wieviel Prozent dieser Arten jeweils um 40%, 30%, 20%, 10% oder nur geringfügig abgenommen haben. Die Bestandsentwicklungsdaten der Weltnaturschutzunion IUCN in der mittleren Grafik (B) zeigen für 203 Insektenarten zwischen 20% und 100% der Arten je nach Artengruppe Bestandsabnahmen, im Mittel sind es 33%. Nur ein marginaler Prozentsatz der Arten zeigt positive Entwicklungen.

Letzte Änderung: 11.06.2018

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