Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Naturschutz, Artenschutz, Insektenrückgang

Rote Listen bestätigen Rückgang der Vielfalt der Insekten

  • Informationen stützen Studien um den Schwund der Insektenbiomasse
  • Rote Listen: breite Datenbasis für tausende von Insektenarten
  • Bestandsrückgänge auch bei nicht-fliegenden Insekten
Cover der Roten Listen

Die Zikaden wie der Europäische Laternenträger weisen langfristig einen rückläufigen Trend auf. (Foto: Roland Achtziger)

Die Roten Listen zeigen: Die Vielfalt der Insekten schwindet.

Bonn, 19. März 2018: Nicht nur die Biomasse der Insekten schwindet, auch deren Vielfalt nimmt erkennbar ab und das seit Jahrzehnten. "Der oft zitierte stumme Frühling ist längst dabei, Realität zu werden. Das wird besonders dann deutlich, wenn die Natur jetzt mit dem Frühjahrsbeginn und zu Ostern nach den frostigen Tagen wieder zum Leben erwacht", sagt Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Die Veröffentlichung einer Studie zum dramatischen Rückgang der Biomasse der Insekten in Deutschland mit Daten des Entomologischen Vereins Krefeld führt seit Oktober 2017 bundesweit zu Diskussionen. Um Aussagen über Ausprägung und Auswirkungen des Insektenschwundes machen zu können, sind neben Informationen zur Stärke des Rückgangs auf Ebene der Biomasse jedoch auch Informationen zu Veränderungen auf der Ebene der Einzelarten nötig.

Genau diese liefern die bundesweiten Roten Listen, die das Bundesamt für Naturschutz veröffentlicht. In den Roten Listen der gefährdeten Arten Deutschlands werden seit den 1970er Jahren auch tausende Insektenarten bewertet. "Vor einem Rückgang der Artenvielfalt wird darin seit langem gewarnt", erklärt die BfN-Präsidentin. Auch die Botschaft der aktuellen Roten Listen der wirbellosen Tiere, Teil 1 und Teil 2, ist eindeutig: "Der Rückgang vieler Arten überwiegt weiterhin die Zunahme einiger weniger Arten deutlich. Hier haben wir es mit einer klar belegten und bundesweit zu beobachtenden Entwicklung zu tun", fasst Prof. Beate Jessel die Kernaussage dieser Roten Listen zusammen. Die aktuellen Roten Listen bieten über die oft zitierten Informationen zur Gefährdungssituation hinaus eine wertvolle aggregierte Sicht auf Häufigkeit und Verbreitung und zur Entwicklung der Bestände aller untersuchten Arten.

Bisher wurden 25 Insektengruppen hinsichtlich der Bestandsentwicklung in den letzten 50 bis 150 Jahren bewertet. Bei im Schnitt 44 Prozent aller Arten ist es zu einem deutlichen Rückgang gekommen. Die heimischen Zikaden weisen mit 52 Prozent überdurchschnittlich viele Arten mit langfristig rückläufigem Trend auf. "Die Vielfalt der Zikaden ist also erheblich bedroht. Intensive Grünlandnutzung in den letzten Jahrzehnten gehört zu den bedeutendsten Gefährdungsfaktoren für diese Tiergruppe", sagt Prof. Jessel. Ebenso sind die Bestände der oft als Bioindikatoren verwendeten Laufkäfer bei 45 Prozent der Arten zurückgegangen. Es sind demnach nicht nur Insekten betroffen, die sich vornehmlich fliegend fortbewegen, sondern auch solche, die überwiegend am Boden leben. Eine Zunahme konnte dagegen nur bei insgesamt zwei Prozent der Insektenarten festgestellt werden.

Die bundesweiten Roten Listen geben Auskunft über die Entwicklungen der Arten in ganz Deutschland und sind somit weder regional noch auf bestimmte Biotoptypen oder Erfassungsmethoden beschränkt. Überdies bieten sie eine vollständige Übersicht über die Vielfalt der betrachteten Gruppen, da alle in Deutschland etablierten Arten aufgelistet werden. Dementsprechend werden auch weniger häufige Arten bearbeitet, die etwa bei Biomasseuntersuchungen deutlich unterrepräsentiert sind. Die in diesem Jahr vom Bundesamt für Naturschutz initiierte Analyse der Gefährdungsursachen für die Arten der Roten Listen wird zukünftig weitere Informationen über die Gründe für die Rückgänge aufzeigen.

Weiterführende Informationen zum Rückgang der Insekten finden sich ab sofort auch in einer eigenen Rubrik auf der BfN-Website unter www.bfn.de/themen/insektenrueckgang.html 

Hintergrund
Die Roten Listen beschreiben die Gefährdungssituation der Tier-, Pflanzen- und Pilzarten und stellen mit ihren Gesamtartenlisten eine Inventur der Artenvielfalt dar. Sie werden etwa alle zehn Jahre unter Federführung des Bundesamtes für Naturschutz für ganz Deutschland herausgegeben. Die Listen des auf acht Bände angelegten Gesamtwerkes sind das Ergebnis eines langjährigen Prozesses, bei dem die Kenntnisse von mehr als 20.000 ehrenamtlich Mitwirkenden zu den jeweiligen Arten oder Unterarten für Deutschland zusammengetragen, analysiert und aufbereitet werden. Zuletzt ist mit Band 4 der Roten Liste im Oktober 2016 der zweite Teil der aktualisierten bundesweiten Roten Liste wirbelloser Tiere erschienen, in dem neben Tausendfüßern (Myriapoda), Krebstieren (Crustacea), Spinnentieren (Chelicerata) sowie Regenwürmern aus der Gruppe der Wenigborster (Oligochaeta) auch neun Insektengruppen (Hexapoda) bewertet wurden. In den beiden bisher erschienenen Wirbellosen-Bänden sind damit 25 Insektengruppen mit mehr als 7.000 Arten bearbeitet. Das sind über 21 Prozent der aus Deutschland bekannten Insektenarten, darunter die Wildbienen, Schmetterlinge, Köcherfliegen, Laufkäfer und Zikaden. Die Roten Listen weiterer Insekten, wie beispielsweise die Libellen und viele andere Käfergruppen, werden in Band 5 der Rote-Liste-Reihe in diesem Jahr erscheinen.

Bezugshinweis
Das Werk ist im Landwirtschaftsverlag in der BfN-Schriftenreihe "Naturschutz und Biologische Vielfalt" unter dem Titel: Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, erschienen. Bezug über: BfN-Schriftenvertrieb im Landwirtschaftsverlag 48084 Münster Tel.: 02501/801-300 Fax: 02501/801-351 oder im Internet: www.lv-h.de/bfn

 


Das BfN bei Twitter. Sie verlassen bfn.de: Um die Inhalte auf Twitter nur zu lesen, wird kein Account benötigt.
Das Bundesamt für Naturschutz bei XING. Sie verlassen bfn.de: Um die Inhalte auf XING nur zu lesen, wird kein Account benötigt.
Das Bundesamt für Naturschutz bei Facebook. Sie verlassen bfn.de: Um die Inhalte auf Facebook nur zu lesen, wird kein Account benötigt.

Letzte Änderung: 16.08.2018

 Artikel drucken